Verlag Henselowsky Boschmann • Hanjo Schumacher und Harald Wilde - Im Schatten des Monte Schlacko
Hanjo Schumacher und Harald Wilde
Im Schatten des Monte Schlacko
Das wahre Ruhrgebiet in Bild und Wort

Ein Bildband, der Geschichten erzählt

64 Seiten, gebunden, vierfarbig
9,90 €
ISBN 3-922750-68-0

• Buch bestellen
Monte Schlacko
Keine Klischees! Kluge Magazine wie Spiegel, Focus und Stern, tiefgründige Zeitungen wie Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine sowie Rundschau und die ganze Welt – sie alle haben Recht, wenn uns als geradeaus denkende Malocher mit Hang zu großer Klappe charakterisieren, wenn sie bei uns den Geruch von Schlacke, Brieftaubenkacke, schlechtem Deutsch und Provinz erschnuppern. Genau so ist es: unser Ruhrgebiet. Genau so lieben wir es. Denn: Dat is unsere Heimat.

Das ideale Geschenk für alle, denen die Kulturhauptstadt 2010 ganz nah gebrachtwerden soll.
Hanjo Schumacher, geboren 1972 im Dreistromland zwischen Emscher, Rhein und Ruhr nahe der Stadt Oberhausen. Während seiner langjährigen Tätigkeit als freier Fotojournalist für die NRZ- und WAZ-Redaktionen hat er auf seinen Streifzügen zwischen Castrop-Rauxel und Duisburg, zwischen Bottrop und Wattenscheid die Menschen und ihr Revier aufs Bild gebannt. Seine Fotos erzählen Geschichten, die nur im Ruhrgebiet passieren können.

Interview mit Hanjo Schumacher

Harald Wilde, geboren 1962 in der Schlotenstadt Gelsenkirchen. Seine Passion zum Schreiben entdeckte er als Werbetexter, später als Leiter einer großen Werbeagentur. Als Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger spielte er in diversen Bands, aktuell ist er die kreative Seite des Musik-Duos "Bakerman’s Daughter". Er hat als Komponist u. a. die Ruhrgebietshymne zum Prachtband der Gemeinde Ruhrhausen beigesteuert. (Gustavo Schönherz, Ruhrhausen - Wo die Welt noch in Ordnung ist; Buch mit Musik-CD)

Interview mit Harald Wilde
Monte Schlacko

Monte Schlacko

Schlacko-Premiere in Wattenscheid

Dat is meine Heimat
Haben Ruhrgebietsoffizielle denn nicht lange genug gelitten unter Schimanski seine Sprache, Stratmann sein Jupp, Knebel sein Affentheater Kumpel Anton und seinen Cervinski? Haben sie sich nicht oft genug darüber geärgert, wenn in Teilen der Republik darüber geflüstert wurde, dass es bei uns Briketts regnen würde? Haben endsilbenverschluckende ehemalige Bergleute, die Fernsehteams durch ihre Privatstollen führen, ihre Alpträume nicht häufig genug bevölkert? Haben sie nicht längst all das, was sie Klischee nennen, durch kostspielige Werbekreuzzüge ausgerottet und all die Ungläubigen belehrt, dass hier von Feinripp zu Armani umstrukturiert wurde? – Nie mehr Ruhrpott, nicht mehr lange Ruhrgebiet, in Bälde ganz offiziell nur noch: IT-Oase an einem Fluss.
Was sollen also jetzt die Schatten eines Monte Schlacko? Warum nicht die üblichen Texte? Warum solche Bilder? Warum solche Menschen? – Weil dies das wahre Ruhrgebiet ist. Inoffiziell, aber ganz in echt: bodenständig, direkt, mit viel Herz, manchmal schräg und polternd, manchmal scheu und zurückhaltend, immer hilfsbereit und kumpelhaft, so dass viele Probleme, die andere mit sich haben, hier überhaupt nicht entstehen. Menschen im Ruhrgebiet sind so, wie sie wirklich sind, einfach nur liebenswert: der Kleingärtner aus Erle, der seine Laube im Stil des Gelsenkirchener Barock eingerichtet hat; der Autofan aus Altenessen, der am Samstag vorm Haus seinen Corsa wienert; der Familienvater aus Wattenscheid, der auf dem Fußballfeld seinen plärrenden Nachwuchs tröstet; unsere Nachbarinnen in Kittelschürze, unsere Alten beim Kaffeepläuschken, unser Straßenköter, der in einer kuschelige Ecke lebt, die immer noch so aussieht wie vor fünfzig Jahren. Das Ruhrgebiet ist so, wie es wirklich ist, einfach nur liebenswert. Für uns schöner als jeder andere Flecken auf der Welt.
Kluge Magazine wie Spiegel, Focus und Stern, tiefgründige Zeitungen wie Süddeutsche, Frankfurter Allgemeine sowie Rundschau, die Zeit und die ganze Welt, Persönlichkeiten aus Poitik und Sport, sie alle haben die Schönheit des Ruhrgebiets längst erkannt und öffentlich gemacht: in Oden auf das wahre Ruhrgebiet. Dieses Buch enthält die schönsten dieser Loblieder. Sie sollen uns bestärken, noch stolzer auf das Land im Schatten des Monte Schlacko zu werden, noch stolzer auf unseren Kohlenpott, noch stolzer auf unsere Heimat.
Alle 10 Minuten öffnet der Mann ein Höllentor. Der feurige Schlund ist sieben Meter hoch und sechzig Zentimeter breit. Dahinter steht eine Wand gelbrot glühender Steine, aus denen Flammen schlagen. Die wabernde Hitze hätte Jürgen Schnell längst zur Flucht gezwungen, säße er nicht geschützt in der Glaskabine seines Fahrstandes. Ungerührt spielt er mit Hebeln und Knöpfen und fährt mit gepanzerter Faust in die glosenden Steine. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. Januar 2005 Monte Schlacko
Und Horst Grabowski, 58, bereits seit vier Jahren im Vorruhestand, verliert langsam den Halt. "Die Nachbarn von früher sind alle weg, die arbeiten jetzt auf anderen Zechen", erklärt er seine Probleme mit der Langeweile und verfolgt das Treiben der türkischen Familie nebenan. Die pflanzen gerade Gemüse an ("Nutzgärten, wie Türken so sind"), er selbst verwaltet 5 mal 40 Meter Zierrasen, in einer Ecke hat seine Frau Pfingstrosen und Stiefmütterchen gesät. Doch mit den neuen Nachbarn gibt es keine Probleme; "eher mit den Polen", sagt Grabowski, "die kommen als Fahrer hierher und arbeiten für drei Mark Stundenlohn". Der Spiegel, 26. Mai 1997 Monte Schlacko
Der Budenbetreiber im Stadion am Schloß in Herne zapft ein Bier und zieht Bilanz. "Heute haben wir keine Zechen mehr, alle platt." Einst zu den glorreichen Zeiten der Oberliga West waren Zechen als Geldgeber die ersten Sponsoren der bedeutenden Reviervereine gewesen; die Kohle hat den Mythos des scheinbar unbezwingbaren Revierfußballs mit Energie versorgt. Viele Vereine und ihre Belegschaften profitierten davon. In seiner Dokumentation "Im Westen ging die Sonne auf" analysiert der Münchner Filmemacher Wolfgang Ettlich diesen Mythos und was von ihm übriggeblieben ist, nachdem die meisten Zechen die Förderung eingestellt haben. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. Januar 2003 Monte Schlacko