Verlag Henselowsky Boschmann · Regionaler Literaturversorger Ruhrgebiet · Inge Meyer-Dietrich · Leben und Träume der Mimi H.
Ruhrgebiet Geschnke Buch Bücher Verlag Verlage


Inge Meyer-Dietrich
Leben und Träume der Mimi H.

192 Seiten · gebunden mit Lesebändchen
9,90 Euro
ISBN 978-3-942094-61-0
Ruhrgebiet de luxe

Ruhrgebiet um 1900. Nach einer schwierigen Kindheit und Jugend lernt die Näherin Mimi den Schmied Heinrich kennen. Die beiden heiraten, und Mimi findet endlich ein Zuhause. Nur in seltenen Momenten hat sie das Gefühl, dass Heinrich etwas vor ihr verbirgt. Doch das kann ihr Glück nicht schmälern. Dann verändert der Erste Weltkrieg Mimis Leben radikal. Und jetzt kommt auch zutage, was Heinrich und seine Familie ihr verschwiegen haben. Aber Mimi ist eine Kämpferin, die nicht aufgibt. Schon wegen der Kinder. Gefühlsduselei kann sie sich nicht leisten. Sie muss stark sein. Sie muss. Das hat sie sich selbst versprochen.


Mimi ist Anfang zwanzig und Näherin. Sie wohnt noch zu Hause bei der Mutter und dem Stiefvater. Der hat sie nie als Tochter akzeptiert und macht ihr das Leben oft schwer. Ihr leiblicher Vater ist bei einem Grubenbrand gestorben, als Mimi klein war. Mit der Mutter und den jüngeren Halbgeschwistern versteht sie sich gut, besonders mit Meta, die sehr an der großen Schwester hängt.

Als Mimi dem Stiefvater eines Tages anstelle der Mutter das Essen zur Zeche Zollern bringt, lernt sie den Schmied Heinrich kennen. Die beiden verlieben sich, und der Heirat stehen nur die unterschiedlichen Konfessionen im Weg. Obwohl es ihr nicht leichtfällt, entscheidet sich die evangelische Mimi, zum katholischen Glauben zu konvertieren. Dafür wird sie wie eine Tochter in Heinrichs Familie aufgenommen. Die Ehe erweist sich als Glück für Mimi. Erst recht, als sie eine Tochter bekommt. Kaum ist die Kleine zwei Jahre alt, beginnt der Erste Weltkrieg. Heinrich gilt zunächst auf der Zeche als unabkömmlich, dann wird er doch eingezogen. Und Mimi ist wieder schwanger. Tapfer bringt sie sich und die Kinder durch die Kriegsjahre.

Und tapfer sein muss sie, als Heinrich verändert nach Hause kommt. Mimi ist stark. Und sie ist erfinderisch. Auch mit drei Kindern sorgt sie für den Unterhalt der Familie. Über das politische Chaos der Nachkriegszeit, über Inflation, Ruhrbesetzung und Weltwirtschaftskrise hinweg. Und nicht nur das: Sie bewahrt sich ihre Träume. Verliert nicht den Blick für das, was ihr Leben hell und bunt macht. Den Nationalsozialismus sieht sie mit wachsender Sorge. Doch die Barbaren können nicht für immer die Oberhand behalten. Daran glaubt sie so fest wie Jakob Hirsch, bei dem sie ihre Stoffe kauft und mit dem sie eine freundschaftliche Beziehung verbindet. Daran glaubt sie wie an die Zukunft des Ruhrgebiets …

Inge Meyer-Dietrich Mayersche Buer

29. 
Oktober 2016: Inge Meyer-Dietrich liest in den proppenvollen Mayerschen Buchhandlung im schönen Buer aus ihrem Roman "Leben und Träume der Mimi. H."

Inge Meyer-Dietrich Inge Meyer-Dietrich
Sie ist seit 1986 freie Autorin, hat über 30 Bücher veröffentlicht, überwiegend für junge Leser. Zahlreiche Auszeichnungen im In- und Ausland, u. a. der Literaturpreis Ruhr für das Gesamtwerk. Die Autorin lebt mit ihrem Mann in Gelsenkirchen; die drei Kinder sind erwachsen; beide Töchter ebenfalls schriftstellerisch tätig.

"Ich wurde 1944 geboren und bin in Bochum aufgewachsen. Als Kind hörte ich gern zu, wenn meine Mutter mir Märchen erzählte oder wenn mein Vater ungewöhnliche Figuren für mich erfand wie die 'Oma Nümmes' mit ihren seltsamen Abenteuern. Das gefiel mir so gut, dass ich mit fünf Jahren begann, mir eigene Geschichten und Gedichte auszudenken und sie aufzuschreiben … Nach dem Realschul-
abschluss machte ich in Bonn eine Ausbildung als Krankenschwester. Später holte ich das Abitur am München-Kolleg nach und studierte dann Soziologie, Germanistik und empirische Kulturwissenschaften in München und Tübingen. Buchautorin wurde ich erst, nachdem ich 1984 mit der Erzählung 'Karfunkel' den ersten Preis beim Wettbewerb 'Kinderliteratur NRW gewann."

aus:
www.ingemeyerdietrich.de




[...] Es geht Mimi wie vor ihrer Hochzeit. Sie kann kaum glauben, dass das alles nicht nur ein Traum ist. Das Aufleuchten in Heinrichs Augen. Wie er die kleine Tochter auf dem Arm hält. Behutsam und zärtlich. »Was für ein winziges Mensch­lein sie ist«, sagt er bedächtig, und sein bewundernder Blick geht zwischen Mimi und der Kleinen hin und her. "Nimm du sie lieber.« Er legt Mimi das Kind in die Arme und drückt ihr einen Kuss auf die Stirn.
Diesen Moment festhalten. Für immer festhalten. Er wiegt die Tortur der vergangenen Stunden auf. Er wiegt die dunklen Jahre auf.

Mit dem Stillen hat Mimi anfangs Schwierigkeiten. Doch nach ein paar Tagen kommt genug Milch. Und wenn Änne, wie sie und Heinrich die Kleine nennen, schmatzend und zufrieden an Mimis Brust trinkt, wächst in ihr das Glücksgefühl. Mehr noch als früher, wenn Metas warme Hand sich nachts in Mimis Hand geschoben hat.
Und was für ein Segen, dass Änne ein so ruhiges Kind ist. Selbst mit offenen Augen liegt sie oft still da, ohne sich bemerkbar zu machen. Mimi muss sie nicht ständig beruhigen, herumtragen oder schaukeln. Wie sollte das in der Dachkammer auch gehen? Da war es ja vorher schon eng. Aber seit jetzt noch die Wiege darin steht, können Mimi und Heinrich sich nur mit Mühe am Bett vorbeizwängen.
"Wie soll ich das Kind hier ordentlich waschen und wickeln? Zeit für die eigene Wohnung, Heinrich", drängt Mimi. "So geht es nicht weiter."
"In der Verwaltung wissen sie ja Bescheid. Wir müssen abwarten, bis wir an der Reihe sind."
"Glaubst du, dass alle anderen auch so geduldig sind?"



Mit der Kleinen auf dem Arm macht Mimi sich auf den Weg zum Verwalter. "Wir brauchen die Wohnung dringend. Die Dachkammer der Schwiegereltern ist zu klein."
"Das sagen alle, dass es dringend ist", knurrt der Mann hinter seinem Schreibtisch.
"Wir stehen weit oben auf Ihrer Liste", gibt Mimi unbeirrt zurück. "Und Sie sehen doch, dass wir ein Kind haben."
"Ich will sehen, was sich machen lässt. Aber so schnell …"
"So schnell werden Sie mich nicht los. Und sicher lässt sich was machen." Mimi sagt das mit einer solchen Bestimmtheit, dass der Verwalter sich ein Grinsen nicht verkneifen kann.
Mimi fragt auch am nächsten Tag nach. Und am übernächsten. Und ehe sie sich noch einmal mit der kleinen Änne auf den Weg machen muss, bekommen Heinrich und sie tatsächlich eine Wohnung zugeteilt. In der Siedlung Deutsches Reich. Nicht weit von der Gastwirtschaft der Schwiegereltern.
"Meine Mimi", sagt Heinrich bewundernd. "Standhaft wie die heilige Barbara."

Mimi geht durch die Räume und hat schon vor Augen, wie ihr Zuhause aussehen soll. Es ist wie beim Schneidern, sie weiß, was passt. "Hier könnte der Schrank hin, da der Tisch …" Fragend sieht sie Heinrich an.
"Entscheide du, du hast den besseren Blick dafür", sagt er.
Und so streicht sie den gebraucht gekauften Schrank für die Wohnküche weiß. Näht bunte Kissen für das Sofa und hängt darüber das leuchtende Bild von einem Sommergarten, wie Mimi noch nie einen gesehen hat. Das Aquarell ist ein Geschenk von Fräulein Hoffmann. Sie wünscht ihr Glück im neuen Zuhause.
Auch die Mutter kommt zu Besuch und sieht sich um. "Schön habt ihr es. So hell und freundlich." [...]

Inge Meyer-Dietrich Plascha
Inge Meyer-Dietrich
Plascha

Von kleinen Leuten und großen Träumen
240 Seiten, Taschenbuch
8,01 €
ISBN 978-3-922750-94-9

Das Leben gegen Ende des Ersten Weltkriegs ist geprägt von Hunger und Angst um die Soldaten. Doch die Menschen rücken zusammen. Nachbarschaft wird groß geschrieben und vermag selbst Fremdenhass einzudämmen. Plascha ist das Kind polnischer Einwanderer. Sie erzählt ein Stück Ruhrgebietsgeschichte, das schon fast in Vergessenheit geraten ist.
Weitere Informationen
Die Hüter des Schwarzen Goldes Inge Meyer Dietrich & Anja Kiel
Die Hüter des Schwarzen Goldes
288 Seiten, 14,90 €
ISBN 978-3-942094-07-8

In der unterirdischen Welt stillgelegter Bergwerke leben die Hüter des schwarzen Goldes, sagenumwobene Zwerge. Ihr größter Schatz, der Kraftstein Achazurit, hält die Welten über und unter Tage im Gleichgewicht. Doch dieser Garant der Zukunft ist gestohlen worden. Sophie und Luca begeben sich auf eine abenteuerliche Reise, um ihn zu retten. Dabei begegnen sie weiteren mythischen Figuren - einem Werwolf, der weisen Frau, dem uralten Berggeist - und geraten zunehmend in Lebensgefahr ...
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