Henselowsky Boschmann Verlag • Verlorene Kinderspiele aus dem Ruhrgebiet
Helmut Spiegel
Das Bollerrad muss bollern, der Knicker, der muss rollern
Verlorene Kinderspiele erzählt in Geschichten aus dem Ruhrgebiet

120 Seiten, gebunden, mit Illustrationen von Torsten Kyon
ISBN 3-922750-49-4
3. Auflage
9,90 €

Lassen Sie sich entführen - vielleicht zurück in Ihre eigene Kindheit - auf die Hinterhöfe und Wohnstraßen einer vergangenen Zeit: zu Pitschendopp und Pinnekenkloppen, zum Knickerspiel, zum Stand an der Wand, zum Völkerball, zum Büchsenverstecken, zum Bollerradfahren, zum Pferdezügelstricken, zum Kastenfangen, zum Hinkeln, zum Seilchenspringen, zum Kinderschützenfest, zu Tanzspielen und zu Tante Alamasunta aus Kakafunka. Und zu albernen und kessen Sprüchen und Liedern.
Dr. Antonia Cervinski-Querenburg
Inhalt:
• Wir haben einen König und eine Königin
• Eierlager quietschen
• Das Bollerrad muss bollern
• Pitschendopp und Peitsche
• Wer göckelt, der stinkt
• Napoleon sein Sohn
• Eins, zwei, drei, vier, Eckstein
• Pferdezügel aus der Strickliesel
• "Wupp!", rufen die Mädchen
• Glanzbilder in der Zigarrenkiste
• Spiel mit dem Wind
• Ärmchen, Brüstchen, Köpfchen
• Die Büchse darf nicht kötteln
• Schützenfest oder Karnevalszug
• Wer fürchtet sich vorm schwarzen Mann?
• Tante Alamasunta aus Kakafunka
Helmut Spiegel
geboren 1932 in Essen, wuchs in einer Arbeitersiedlung im Norden der Stadt auf. Sein Vater, ein Kruppscher Automobil- und Lokomotivschlosser, hätte es gerne gesehen, wenn der Sohn Ingenieur geworden wäre. Doch dieser stellte bald fest, dass er Technik besser beschreiben als betreiben konnte, und wurde Redakteur. Er arbeitete zunächst bei der NRZ in Essen, ab 1961 dann bei der WAZ in Witten, wo er bis heute mit seiner Familie wohnt.

Weitere Bücher von Helmut Spiegel:
Ich schäbiges Frikadellchen - Roman über die Kriegs- und Nachkriegszeit im Ruhrgebiet

Auf alle meine Pötte setzt Ursula den Deckel - Wie im Ruhrgebiet das mit der Ehe funktioniert

Unser Mutter stochte, bis die Suppe kochte - Lieder, Rezepte und Geschichten aus der alten Ruhrgebietsküche
Emschersagen
Vorwort
Wo hört man heute noch eine Peitsche knallen? Auf einem Folklore-Fest in den Bergen vielleicht. Aber nicht mehr auf dem Hof und auf der Straße. Wo sieht man heute noch einen Pitschendopp kreiseln, angetrieben von einer Peitsche? Nirgendwo! Wo sieht man noch die an beiden Enden angespitzten hölzernen "Zigarren" durch die Luft wirbeln beim Pinneken-Kloppen? Nirgendwo! Wo sieht man noch einen Kinderpulk auseinander stieben, wenn der Ball beim "Stand an der Wand"" gegen die Hauswand knallt? Nirgendwo! Wo sieht man noch Kinder auf der Straße Völkerball spielen? Nirgendwo! Wo sieht man noch ein Kind, das mit einem Stock sein Bollerrad antreibt und es im wilden Lauf mit dem Stock geschickt um die Kurven lenkt? Nirgendwo! Wo sieht man noch Kinder, die auf dem Hof um ein kleines ausgebuddeltes Loch hocken und Murmeln spielen - knickern, wie wir im Ruhrgebiet sagen? Nirgendwo! Diese Liste kann man fortsetzen. Und das soll in diesem Buch geschehen.
Es gibt Kinderspiele - nein, es gab sie -, die spurlos verschwunden sind. Und mit ihnen ein Stück Kulturgut. Unser technischer Fortschritt hat sie weggefegt, ersatzlos gestrichen. Die Übeltäter sind nicht allein Gameboy, Playstation und Handy. Der Hauptübeltäter ist das Auto. Auf den heutigen Hinterhöfen stehen Garagen. Die Straßen, auch die Straßen in den Wohnsiedlungen, werden von parkenden oder fahrenden Autos beherrscht. Hinzu kommt, dass die Erwachsenen - "Stress, Stress, Stress!" - zu Hause ihre Ruhe haben wollen und keine lärmenden Kinder auf Hof und Straße. Übergewicht, Schlafstörungen, Bewegungsmangel, Nervosität - Kinder, die sich austoben können, leiden da-runter nicht.
Lassen Sie sich entführen - vielleicht zurück in Ihre eigene Kindheit - auf die Hinterhöfe und Wohnstraßen einer vergangenen Zeit: zu Pitschendopp und Pinnekenkloppen, zum Knickerspiel, zum Stand an der Wand, zum Völkerball, zum Büchsenverstecken, zum Bollerradfahren, zum Pferdezügelstricken, zum Kastenfangen, zum Hinkeln, zum Seilchenspringen, zum Kinderschützenfest, zu Tanzspielen und zu Tante Alamasunta aus Kakafunka. Und zu albernen und kessen Sprüchen und Liedern.
Viele dieser Sprüche und Lieder hatten damals für die Erwachsenen etwas "Unanständiges". Aber für uns waren sie sicher eine Art Ventil in unserer pubertären Zeit. Wir zwölf- bis vierzehnjährigen Jungen waren ja damals nicht in der Pubertät. Wir waren im Flegelalter. Und die gleichaltrigen Mädchen waren auch nicht in der Pubertät. Sie waren im Zickenalter. Wenn wir "unanständige" Sprüche losließen, hatten wir dabei immer ein etwas schlechtes Gewissen. Aber das war ja wohl gerade der Kitzel. Man darf nicht vergessen: Wir gehen in eine Zeit zurück, in der dreizehnjährige Jungen noch hinter Bollerrädern herliefen und dreizehn jährige Mädchen stolz ihre Puppenwagen durch die Straßen schoben. Hier gleich eine Kostprobe:
Pipichen hat ’n Röckchen an,
das geht bis an die Knie.
Und wenn Pipichen sich dann bückt,
dann sieht man ihr ...
Pipichen hat ’n Röckchen an,
das geht bis an die Knie.
Und wenn Pipichen sich dann bückt,
dann sieht man ihr ...